MÄRKTE EUROPA/US-Zollpolitik löst Verkaufswelle in Aktien aus
03.04.2025 / 18:11 Uhr
DOW JONES--Mit kräftigen Verlusten haben die europäischen Aktienmärkte am Donnerstag auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Rest der Welt reagiert. Die von ihm am Mittwoch verkündeten Vergeltungszölle sind nach Wahrnehmung der Marktteilnehmer höher als befürchtet ausgefallen. Sie wurden als aggressiv bezeichnet. Trump beschwöre mit den Zöllen einen regelrechten Handelskrieg herauf, hieß es. Die meisten Importe aus der EU sollen ab Mitte kommender Woche mit 20 Prozent belegt werden, womit die EU im Vergleich mit vielen anderen Regionen sogar noch relativ glimpflich davonkommt.
Aus Sorge vor den negativen Folgen der Zölle für Konjunktur und Unternehmensgewinne weltweit wurden Aktien verkauft und Anleihen in ihrer Funktion als sicherer Hafen gekauft - die Marktzinsen sanken also. Der DAX rutschte um 3,1 Prozent auf 21.717 Punkte ab. Der Euro-Stoxx-50 gab deutlicher um 3,6 Prozent nach - belastet unter anderem von besonders schwachen Kursen im Luxusgütersegment. Europäische Luxusunternehmen gehören nach Einschätzung von RBC Capital Markets zu den großen Verlierern.
Dem Segment werden auch die Sportartikelhersteller wie Adidas oder Puma zugerechnet. Deren Kurse knickten 11,7 und 11,1 Prozent ein, weil die USA besonders hohe Zölle auf den Schuhproduktionsstandort Vietnam von 46 Prozent verhängt haben. Profiteur der Zollthematik waren Aktien aus mutmaßlich nicht direkt betroffenen Branchen.
Der Stoxx-Subindex der Immobilienwerte gewann 2,8 Prozent, ebenso der Index der Versorger. Sie profitierten zugleich auch besonders davon, dass die Zinsen sinken. Auch die als defensiv geltenden Aktien aus der Nahrungsmittelbranche hielten sich gut mit einem Plus von 0,6 Prozent, ebenso Telekomaktien (+0,2%). Am Ende bei den Branchenindizes rangierten aBanken mit einem Minus von 4,7 Prozent.
Die Ankündigung der US-Zölle ist eines der verheerendsten Szenarien für die Weltwirtschaft, kommentierte Tomasz Wieladek, Chefvolkswirt für Europa bei T. Rowe Price. Es gebe mehrere Faktoren, die der Wirtschaft der EU schaden werden. Erstens gebe es die direkten Auswirkungen der Zölle, zweitens sei ein höherer Zoll gegenüber China verhängt worden, was zu einem verstärkten Wettbewerb auf dem Inlands- und Drittmarkt führen werde. Und schließlich gebe es weiter ein beispielloses Maß an handelspolitischen Unsicherheiten, was den Unternehmen Investitionsentscheidungen erschwere, abgesehen von den negativen Folgen eines schwächeren Konsums. Eine leichte Rezession im Euroraum im Jahr 2025 sei nun wahrscheinlich. Analysten von Goldman Sachs rechnen damit, dass die EU auf die neuen US-Importzölle "umfassend" reagieren und sich dabei nicht auf den Gütersektor beschränken wird, sondern auch den Dinstleistungssektor einbeziehen könnte.
Mit den geplanten US-Zöllen ist es nach Einschätzung der ING wahrscheinlicher geworden, dass die EZB ihre Leitzinsen noch in diesem Monat senkt. Während einige EZB-Ratsmitglieder zuletzt angedeutet hätten, dass angesichts des andauernden Inflationsdrucks eine Pause bei den Zinssenkungen angebracht sein könnte, verwiesen die ING-Ökonomen auf den gravierenden Schock für Handel und Vertrauen, den die Zölle nun darstellen. Für die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ging es um 8 Basispunkte auf 2,64 Prozent nach unten.
Mit dem Subindex der Ölaktien ging es um 4,7 Prozent abwärts, auch weil bei einer Konjunkturabschwächung die Ölnachfrage sinken dürfte. Zudem denkt die Opec+ darüber nach, die Förderung zu erhöhen. Entsprechend gerieten auch die Ölpreise unter Druck. Der Subindex der Autowerte verlor 4 Prozent. Hier war zuvor bereits klar, dass Importe in die USA nun mit 25 Prozent belastet werden.
Das DAX-Schwergewicht Siemens fiel um 8 Prozent. Das Unternehmen vermeldete einen Zukauf. Citi wertete die von Siemens angekündigte Übernahme des PLM-Softwareunternehmens Domatic für 5,1 Milliarden Dollar als "nicht billig" und verwies darauf, dass der Preis dem 15-fachen des erwarteten Umsatzes von 2025 entspricht. Der Kaufpreis soll auch über den Verkauf von Beteiligungen erfolgen, Siemens Healthineers verloren 7,2 Prozent. Deutsche Post (-5%) litten unter der Erwartung, dass die Volumina im Welthandel von den US-Zöllen gebremst werden.
=== Index Schluss Entwicklung in % Seit Jahresbeginn* ESTX 50 PR.EUR 5.113,28 -3,6% +8,3% Stoxx-50 4.437,61 -2,8% +6,0% Stoxx-600 523,12 -2,6% +5,8% XETRA-DAX 21.717,39 -3,0% +12,5% CAC-40 Paris 7.598,98 -3,3% +6,5% AEX Amsterdam 877,42 -2,7% +2,6% ATHEX-20 Athen 4.136,84 -1,9% +18,1% BEL-20 Bruessel 4.294,73 -1,1% +1,9% BUX Budapest 87.225,64 -2,8% +13,1% OMXH-25 Helsinki 4.400,57 -2,7% +4,8% OMXC-20 Kopenhagen 1.713,23 -2,3% -16,6% PSI 20 Lissabon 6.967,03 +0,1% +9,1% IBEX-35 Madrid 13.191,20 -1,2% +15,1% FTSE-MIB Mailand 37.070,83 0,0% +12,8% OBX Oslo 1.396,26 -2,1% +7,3% PX Prag 2.061,27 -2,0% +19,5% OMXS-30 Stockholm 2.380,45 -4,0% -0,2% WIG-20 Warschau 2.635,76 -4,1% +25,4% ATX Wien 4.001,00 -3,1% +12,7% SMI Zuerich 12.279,48 -2,5% +8,5% DEVISEN zuletzt +/- % 0:00 Do, 17:15 % YTD EUR/USD 1,1050 +2,0% 1,0828 1,1092 +4,6% EUR/JPY 161,4760 +0,3% 161,0315 161,6105 -1,1% EUR/CHF 0,9498 -0,6% 0,9551 0,9509 +2,2% EUR/GBP 0,8430 +1,2% 0,8331 0,8440 +0,7% USD/JPY 146,1310 -1,7% 148,7225 145,7015 -5,5% GBP/USD 1,3109 +0,8% 1,3000 1,3143 +3,8% USD/CNY 7,1822 -0,6% 7,2270 7,1817 +0,2% USD/CNH 7,2884 -0,5% 7,3254 7,2858 -0,5% AUS/USD 0,6356 +1,5% 0,6260 0,6366 +1,1% Bitcoin/USD 82.165,15 -3,1% 84.829,95 81.633,20 -9,3% ROHOEL zuletzt VT-Schluss +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 66,62 70,01 -4,8% -3,39 +1,6% Brent/ICE 69,98 73,37 -4,6% -3,39 +0,2% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold 3108,43 3134,15 -0,8% -25,72 +19,4% Silber 28,90 31,46 -8,1% -2,56 +12,6% Platin 865,49 911,67 -5,1% -46,18 +4,1% Kupfer 4,87 5,04 -3,5% -0,18 +19,8% YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags ===
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