MÄRKTE EUROPA/Anleger gehen am "Liberation Day" auf Nummer Sicher - Euro zieht an

02.04.2025 / 18:05 Uhr

DOW JONES--Die europäischen Aktienmärkte haben am Mittwoch nach volatilem Verlauf mit Verlusten geschlossen. Warten lautete das Motto des Tages, denn um 22.00 Uhr MESZ steht der mit größter Spannung erwartete Auftritt von US-Präsident Donald Trump auf der Agenda. Am "Liberation Day" dürfte Trump neue Zölle verkünden. Bis dahin gingen die Anleger auf Nummer Sicher. Ein über den Erwartungen ausgefallener ADP-Arbeitsmarktbericht spielte in dem Zusammenhang keine Rolle. Der DAX gab 0,7 Prozent auf 22.391 Punkte nach, der Euro-Stoxx-50 schloss 0,3 Prozent auf 5.304 tiefer. Mit 1,0860 Dollar zog der Euro kräftig an, an den Anleihemärkten ging es mit den Renditen gegen Börsenschluss nach oben.

Zollszenarien, Gegenmaßnahmen und deren Wechselwirkungen seien umfangreich, sagte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Kurzfristig könnte ein gegenseitiger Handelszoll von 25 Prozent zwischen den USA und der EU laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft die US-Wirtschaft rund 0,3 Prozent Wachstum kosten, die EU gut 0,5 Prozent. Mittelfristig dürften die Folgen eines längeren und eskalierenden Handelskonflikts für beide Seiten deutlich höher ausfallen. Dies seien gute Gründe, sich zu einigen.

"Was auch immer der Präsident am Mittwoch ankündigt, kann leicht am nächsten Morgen wieder abgeschafft werden", gab Don Calcagni, CIO von Mercer Advisors, zu bedenken: "Als professioneller Anleger will ich Permanenz, kein dauerndes Ändern der Regeln." Es sei "wirklich schwierig" vorherzusagen, wie der Anleihenmarkt die US-Zölle aufnehmen werde, befanden die ING-Analysten. Auch weil allgemein anerkannt sei, dass Zölle ein nicht unerhebliches Preissteigerungs- und Inflationsrisiko bergen.

US-Absatzmarkt für Pharmasektor wichtig

Viele Ökonomen sind der Meinung, dass Zölle Preissteigerungen nach sich ziehen werden, weil zumindest ein Teil der zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergegeben werden dürfte. Goldman Sachs geht davon aus, dass die Zölle die von der Fed bevorzugte Kennzahl für die Kerninflation in diesem Jahr von 2,8 Prozent im Februar auf etwa 3,5 Prozent steigen lassen werden. Die Schätzung basiert auf der Annahme, dass Präsident Trump reziproke Zölle in Höhe von durchschnittlich 15 Prozent für alle Handelspartner der USA ankündigen wird.

Branchenverlierer waren Pharmawerte mit Abgaben von 1,2 Prozent. Der US-Absatzmarkt sei für Teile des Sektors von sehr hoher Bedeutung - entsprechend hoch sei die Nervosität vor den Zoll-Ankündigungen, hieß es im Handel. Bayer gaben 4 Prozent nach und Novo Nordisk 2,6 Prozent. Verkauft wurden auch Titel aus dem Rüstungsuniversum; hier dürfte es sich nach dem Hausselauf lediglich um Gewinnmitnahmen gehandelt haben. Rheinmetall fielen 4,2 Prozent, Hensoldt 1 Prozent oder Leonardo 3,1 Prozent.

Mit Blick auf die Unternehmen war die Nachrichtenlage sehr dünn. In Italien kann die Unicredit (-1%) nun das Übernahmeangebot für den heimischen Rivalen BPM (+0,2%) starten. Wie die italienische Bank mitteilte, hat die Finanzmarktaufsicht Consob das Angebotsdokument genehmigt. Unicredit will BPM für gut 10 Milliarden Euro übernehmen. BPM hat das Angebot mit der Begründung zurückgewiesen, das Unternehmen werde unterbewertet. Derweil hält die Credit Agricole (+0,2%) derzeit 9,9 Prozent an BPM über Finanzinstrumente. Die Bank will die Optionen ausüben und damit ihren Anteil auf 19,8 Prozent erhöhen. Credit Agricole hatte deutlich gemacht, dass sie kein Übernahmeangebot für BPM plane.

APMH Invest unterbreitet Gebot für Svitzer

Derweil konnte sich Nordex (+3,3%) zwei Aufträge über insgesamt 750 Megawatt (MW) von einem Windenergieprojektentwickler aus der Türkei sichern. Der Windkraftanlagenhersteller wird ab Mitte kommenden Jahres 108 Turbinen für zwei Windprojekte liefern und installieren. Die Fertigstellung der Windparks ist für 2027 geplant. Nach einer Verkaufsempfehlung durch Quirin brachen Norma um 7,4 Prozent ein.

Svitzer haussierten an der Börse Kopenhagen mit Aufschlägen von 30,2 Prozent auf 281,75 Kronen. APMH Invest, die Holdinggesellschaft der Maersk-Familie, die zugleich größter Aktionär von Moller-Maersk ist, hat ein Gebot für alle im Umlauf befindlichen Aktien von Svitzer abgegeben. APMH Invest bietet 285 Kronen je Svitzer-Aktie, die Holding hält bereits 47 Prozent an dem Logistik-Dienstleister. Svitzer wurde erst im vergangenen Jahr aus dem Moller-Maersk-Konzern ausgegliedert. APMH Invest sieht bessere Wachstumschancen für den Dienstleister in privater Hand, hieß es.

Um 3 Prozent nach oben ging es für die Aktien von Grifols in Madrid. Kurstreiber waren Presseberichte, wonach die Übernahmegespräche mit dem Finanzinvestor Brookfield wieder aufgenommen wurden. Dies berichtete die Zeitung "El Confidencial". Sie sieht das Übernahmevolumen bei rund 7 Milliarden Euro. Im Herbst vergangenen Jahres sei ein Gebot von 6,7 Milliarden durch Grifols abgelehnt worden.

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Index                       Schluss  Entwicklung in %  Seit Jahresbeginn* 
ESTX 50 PR.EUR             5.303,95             -0,3%               +8,7% 
Stoxx-50                   4.567,35             -0,6%               +6,7% 
Stoxx-600                    536,92             -0,5%               +6,3% 
XETRA-DAX                 22.390,84             -0,7%              +13,2% 
CAC-40 Paris               7.858,83             -0,2%               +6,7% 
AEX Amsterdam                901,52             -0,4%               +3,0% 
ATHEX-20 Athen             4.218,17             +0,8%              +17,2% 
BEL-20 Bruessel            4.344,17             -0,5%               +2,4% 
BUX Budapest              89.731,32             -0,2%              +11,8% 
OMXH-25 Helsinki           4.522,02             -0,8%               +5,6% 
OMXC-20 Kopenhagen         1.753,71             -1,7%              -15,1% 
PSI 20 Lissabon            6.958,00             +0,1%               +9,0% 
IBEX-35 Madrid            13.350,20             +0,4%              +14,7% 
FTSE-MIB Mailand          38.454,20              0,0%              +12,8% 
OBX Oslo                   1.426,35             -1,4%               +8,7% 
PX  Prag                   2.102,97             -0,6%              +20,2% 
OMXS-30 Stockholm          2.478,69             -1,2%               +1,1% 
WIG-20 Warschau            2.747,99             +0,5%              +24,8% 
ATX Wien                   4.126,97             -0,7%              +13,4% 
SMI Zuerich               12.588,31             -0,8%               +9,4% 
 
DEVISEN        zuletzt        +/- %       0:00  Di, 17:10   % YTD 
EUR/USD         1,0864        +0,6%     1,0795     1,0805   +4,3% 
EUR/JPY       162,9965        +0,9%   161,5345   161,4475   -0,8% 
EUR/CHF         0,9582        +0,5%     0,9536     0,9538   +2,0% 
EUR/GBP         0,8375        +0,3%     0,8354     0,8362   +1,0% 
USD/JPY       150,0380        +0,3%   149,6495   149,4195   -4,9% 
GBP/USD         1,2971        +0,4%     1,2922     1,2921   +3,2% 
USD/CNY         7,1776        -0,1%     7,1815     7,1783   -0,4% 
USD/CNH         7,2761        -0,1%     7,2807     7,2805   -0,7% 
AUS/USD         0,6299        +0,3%     0,6277     0,6278   +1,4% 
Bitcoin/USD  86.726,05        +1,7%  85.260,50  84.403,15   -8,6% 
 
ROHOEL         zuletzt  VT-Settlem.      +/- %    +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex        71,43         71,2      +0,3%       0,23   +6,1% 
Brent/ICE        74,62        74,51      +0,1%       0,11   -0,6% 
 
METALLE        zuletzt       Vortag      +/- %    +/- USD   % YTD 
Gold           3126,91      3113,80      +0,4%      13,11  +18,7% 
Silber           31,13        31,34      -0,7%      -0,21  +12,0% 
Platin          896,80       912,05      -1,7%     -15,25   +4,2% 
Kupfer            5,03         5,04      -0,1%       0,00  +23,9% 
YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags 
=== 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mpt/cln

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April 02, 2025 12:04 ET (16:04 GMT)

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