KONJUNKTUR IM BLICK/EZB senkt Zinsen und steuert auf Zinspause zu

28.02.2025 / 15:29 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Die jüngsten Äußerungen von EZB-Offiziellen und Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank (EZB) erwecken den Eindruck, dass in der Geldpolitik eine Wende bevorsteht. Die Zeiten, in denen eine Zinssenkung alle sechs Wochen als sicher anzunehmen war, sind vorbei. Analysten haben registriert, dass die Auseinandersetzung zwischen Falken und Tauben innerhalb des EZB-Direktoriums an Schärfe gewinnt, wovon Reden von Isabel Schnabel und Piero Cipollone zeugen. Das gerade veröffentlichte Protokoll der EZB-Ratssitzung vom 29./30. Januar zeigt überdies, dass schon damals ein unveränderter Leitzins als "Alternative" eine Rolle spielte.

Dass es schon am 6. März zu einer Zinspause kommt, mag jedoch niemand glauben - dafür waren die Signale nicht deutlich genug. Aber eine Pause im April wird für möglich gehalten. Die EZB macht ihre Zinsentscheidung am Donnerstag (14.15 Uhr) bekannt, die Pressekonferenz mit Präsidentin Christine Lagarde beginnt gegen 14.45 Uhr. Außerdem kommen in der Woche die Euroraum-Verbraucherpreise für Februar, der US-Arbeitsmarktbericht sowie Zahlen zum deutschen Auftragseingang und zum Industrieumsatz.

EZB senkt Leitzins und passt die Kommunikation an

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte eine Senkung des Leitzinses um weitere 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent beschließen und die Kommunikation etwas verändern. Analysten erwarten zwar, dass die EZB an ihrer Methode festhalten wird, von Meeting zu Meeting über den Zins zu entscheiden und sich dabei am Inflationsausblick, der Dynamik der unterliegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission zu orientieren, aber: Viele von ihnen rechnen damit, dass die EZB subtile Hinweise auf eine von nun an vorsichtigere Gangart bei den Zinssenkungen geben wird.

Einer davon könnte sein, dass das Niveau der Leitzinsen nicht mehr als restriktiv bezeichnet wird, oder dass von einer Annäherung an das neutrale Niveau gesprochen wird. Die EZB veröffentlicht zudem neue Makro-Prognosen ihres volkswirtschaftlichen Stabs. Analysten erwarten, dass die Wachstumsprognosen ein wenig nach unten revidiert werden und die Inflationsprognose für 2025 ein wenig nach oben.

Eine Unbekannte ist weiterhin die Zollpolitik der US-Administration, die deshalb zwar in den Debatten des Rats als Risikofaktor berücksichtigt werden kann, aber noch keinen Eingang in die Projektionen gefunden haben dürfte.

Euroraum-Inflation sinkt im Februar

Der Inflationsdruck im Euroraum dürfte im Februar abgenommen haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent gestiegen sind und um 2,3 (Januar: 2,5) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Inflationsdämpfend dürften die Dienstleistungspreise gewirkt haben, was zu der Erwartung beiträgt, dass auch die Kerninflation gesunken ist, und zwar auf 2,5 (2,7). Die Vorgaben aus einzelnen Mitgliedsländern waren allerdings uneinheitlich: Frankreichs HVPI-Teuerung war niedriger als erwartet, Deutschlands höher und Spaniens wie erwartet. Die Daten werden am Montag (11.00 Uhr) veröffentlicht.

Deutscher Auftragseingang sinkt im Januar

Der Auftragseingang der deutschen Industrie dürfte im Januar nach einem außerordentlich starken Anstieg im Vormonat wieder gesunken sein. Volkswirte erwarten, dass die Bestellungen gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent gesunken sind, nachdem sie im Dezember um 6,9 Prozent angezogen hatten. Im Fokus der Aufmerksamkeit wird stehen, ob der vorsichtige Aufwärtstrend bei der Reihe ohne Großaufträge gehalten hat. Die Daten kommen am Freitag (8.00 Uhr). Zur gleichen Zeit werden auch die zum Umsatz im verarbeitenden Gewerbe veröffentlicht.

US-Jobwachstum bleibt im Februar stabil

Das US-Stellenwachstum dürfte im Februar stabil geblieben sein. Ökonomen erwarten nach dem Factset-Konsens ein Stellenwachstum von 160.000 (Vormonat: 143.000) und eine stabile Arbeitslosenquote von 4,0 Prozent. Für die Stundenlöhne wird ein Zuwachs um 0,3 (0,5) Prozent gegenüber dem Vormonat und von 4,1 (4,1) Prozent auf Jahressicht vorhergesagt.

Die US-Notenbank legt nach Jahren der Inflationsbekämpfung den Fokus nun wieder stärker auf den Arbeitsmarkt. Mit Blick auf die Zukunft gibt es einen großen Unsicherheitsfaktor: Es ist möglich, dass Hunderttausende von Regierungsangestellten entlassen werden, da Elon Musk und seine Ad-hoc-Behörde Stellen abbauen. Die Auswirkungen auf die US-Arbeitsmarktdaten würden jedoch nicht auf einen Schlag eintreten, sagen Ökonomen. Während einige Bundesbedienstete in den vergangenen Wochen entlassen wurden, haben andere eine bezahlte Kündigungsfrist, in der sie im Grunde gekündigt haben, aber in den nächsten Wochen oder sogar Monaten nicht arbeitslos sein werden.

Der Arbeitsmarktbericht wird am Freitag (14.30 Uhr) veröffentlicht.

(Mitarbeit: Andreas Plecko)

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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(END) Dow Jones Newswires

February 28, 2025 09:28 ET (14:28 GMT)

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