MÄRKTE EUROPA/Abwärts mit Trump-Zöllen

03.04.2025 / 09:42 Uhr

DOW JONES--Mit kräftigen Kursverlusten sind Europas Aktienmärkte am Donnerstag in den Handel gestartet. Die Zölle von US-Präsident Donald Trump gegen den Rest der Welt sind höher als befürchtet ausgefallen. Analysten wie von Berenberg nennen sie aggressiv. Trump beschwöre mit den Zöllen einen regelrechten Handelskrieg herauf, heißt es. Die meisten Importe aus der EU werden mit einem Zoll von 20 Prozent belegt.

Die Marktreaktion bezeichnen Händler aber als "vernünftig": Panikanzeichen gebe es nicht, in vielen Branchen wie den Autowerten scheine das Risiko bereits eingepreist zu sein. Der DAX fällt daher nur um 1,6 Prozent auf 22.038 Punkte. Vom Tagestief mit über 2,5 Prozent Minus hat sich der DAX daher schon gut erholt. Der Euro-Stoxx-50 verliert 2 Prozent auf 5.196 Punkte.

Auch Schaden für USA möglich

"Die Frage ist, ob es nun zu Verhandlungen oder Gegenmaßnahmen kommt", sagt Marktstratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank. "Der Markt sieht die Inflationsgefahr, preist aber niedrigeres Wachstum ein", fasst er die Reaktion an den Börsen zusammen.

Die Strategen von Berenberg befürchten aber auch Schaden für die USA: Die Inflation könnte dort über die 3-Prozentmarke steigen, was sogar eine Zinserhöhung durch die Fed möglich machen könnte. Entsprechend unter Druck standen bereits die zinsempfindlichen US-Technologiewerte: In der Nachbörse kam es hier zu Kurseinbrüchen um 3 bis 6 Prozent. Im ersten Quartal hatte die Nasdaq bereits den größten Einbruch seit drei Jahren erlitten. Dies geht in Europa weiter: Der Stoxx-Technologiesektor fällt um 2,3 Prozent, im DAX geben Infineon 3,7 Prozent nach.

Mit dem ISM-Service-Index steht am Nachmittag einer der wichtigsten US-Konjunkturindikatoren an. Hier dürfte der Markt sehr empfindlich reagieren, wenn die Preiskomponente steigen sollte. Gleichzeitig könnten die Auftragseingänge gedrückt sein, was die Gefahren einer Stagflation unterstreichen würden.

Flucht in Sichere Häfen

Der Kursrutsch bei Aktien sorgt umgekehrt für eine Flucht in vermeintlich sichere Häfen. So geht es bei den Anleihen kräftig nach oben. Auch defensive Aktien ragen mit geringeren Verlusten hervor, der Versorgersektor in Europa notiert sogar 1 Prozent höher, ebenso Eon im DAX.

Auch Konsumgüterhersteller wie Henkel profitieren davon und steigen 0,3 Prozent; das Unternehmen meldete zudem, seine Nordamerika-Marken verkauft zu haben. Eine Trennung vom US-Markt werde derzeit eher positiv gewertet, heißt es im Handel.

Markt reagiert insgesamt wie erwartet

Mit dem Kursrutsch reagieren die europäischen Börsen aber nur wie im Vorfeld bereits erwartet: Das Minus fällt teilweise geringer aus als zuvor befürchtet. So fällt der Autosektor um 1,7 Prozent, "ein gutes Zeichen dafür, dass schon viel eingepreist war", sagt ein Händler. Höher belastet ist der Stoxx-Index der Roh- und Grundstoffwerte mit 2,9 Prozent Minus wegen Sorgen über ein gebremstes Weltwirtschaftswachstum.

Der breite Stoxx-600-Index verliert indes nur noch 1,4 Prozent. Stützend wirken vor allem defensive Versorger- und Nahrungswerte mit ihrem Plus von bis zu 1,1 Prozent.

Unter den Autowerten im DAX fallen VW und Porsche nur noch 2 Prozent. VW reagiert bereits auf die Zölle und erklärt, sie als "Importgebühr" ausweisen zu wollen. Stärker belastet sind die Autozulieferer, wo Valeo in Paris 3,8 Prozent nachgeben.

Auch Bankentitel stehen unter Druck mit der Aussicht auf höhere Inflation und Zinsen sowie weniger Unternehmensfinanzierungen. Bei Commerzbank und Deutsche Bank geht es bis zu 4,5 Prozent tiefer.

In konjunktursensiblen Branchen wie der Chemie und Bauzulieferern fallen BASF und Heidelberg Materials bis zu 3,3 Prozent. Bei Adidas brechen über 8 Prozent ein, da mit Vietnam eines ihrer Herstellungsländer besonders stark mit Zöllen belegt wird.

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Aktienindex      zuletzt        +/- %    absolut  +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50   5.195,96        -2,0%    -107,99      +8,3% 
Stoxx-50        4.494,69        -1,6%     -72,66      +6,0% 
DAX            22.038,16        -1,6%    -352,68     +12,5% 
MDAX           27.187,69        -1,1%    -306,71      +7,4% 
TecDAX          3.562,75        -1,4%     -50,97      +5,8% 
SDAX           15.199,51        -0,7%    -113,93     +11,7% 
CAC             7.706,65        -1,9%    -152,18      +6,5% 
 
DEVISEN          zuletzt        +/- %       0:00  Mi, 17:10   % YTD 
EUR/USD           1,0964        +1,2%     1,0828     1,0857   +4,6% 
EUR/JPY         161,4185        +0,2%   161,0315   162,7140   -1,1% 
EUR/CHF           0,9527        -0,3%     0,9551     0,9578   +2,2% 
EUR/GBP           0,8354        +0,3%     0,8331     0,8372   +0,7% 
USD/JPY         147,2355        -1,0%   148,7225   149,8705   -5,5% 
GBP/USD           1,3123        +0,9%     1,3000     1,2968   +3,8% 
USD/CNY           7,1938        -0,5%     7,2270     7,1771   +0,2% 
USD/CNH           7,3180        -0,1%     7,3254     7,2756   -0,5% 
AUS/USD           0,6302        +0,7%     0,6260     0,6301   +1,1% 
Bitcoin/USD    83.266,45        -1,8%  84.829,95  86.392,45   -9,3% 
 
ROHÖL            zuletzt   VT-Schluss      +/- %    +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex          69,27        70,01      -1,1%      -0,74   +1,6% 
Brent/ICE          72,52        73,37      -1,2%      -0,85   +0,2% 
 
METALLE          zuletzt       Vortag      +/- %    +/- USD   % YTD 
Gold             3123,15      3134,15      -0,4%     -11,00  +19,4% 
Silber             30,16        31,46      -4,1%      -1,30  +12,6% 
Platin            891,14       911,67      -2,3%     -20,53   +4,1% 
Kupfer              4,88         5,04      -3,3%      -0,16  +20,1% 
YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags 
=== 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/flf

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April 03, 2025 03:41 ET (07:41 GMT)

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